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Dieter Leistner - Lichtbilder

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Zeigen was da ist, was aber keiner so kennt

(kfl) Sehen bedeutet wahrnehmen. Das Wahrgenommene mit der Kamera zu dokumentieren ist das Eine. Als Ergebnis erhält man Fotografien, die „abbilden“, mehr oder weniger „objektiv“. Den Geist des Wahrgenommenen zu verinnerlichen, ihn quasi nach außen zu kehren, sichtbar zu machen, das Andere. In diesem Moment interpretiert der Fotograf das Gesehene und setzt es in Szene. Je größer die dabei angewandte Freiheit der Interpretation, desto mehr bewegt sich das Abbild vom reinen Handwerk zur freien Kunst.

Dieter Leistner hat sich immer eher als Handwerker verstanden denn als freier Künstler. Er, der zu den führenden Architekturinterpreten Deutschlands gehört, versteht es in seinen Bildern meisterhaft, die Gestaltungsabsichten des Architekten offen zu legen. Seine Bilder sind nicht spektakulär. Dennoch versetzen sie den Betrachter in Entzücken, weil er Blickwinkel wählt, aus denen ein Motiv gemeinhin nicht wahrgenommen wird. Dies können, gerade in der Architekturfotografie, Details sein, die er aus dem Gesamtmotiv herausschneidet. Déjà vue – aber wo? Die hohe Kunst besteht darin, mit diesen Details bereits das Gesamtobjekt im Kopf des Betrachters entstehen zu lassen, dieses dabei aber auf das absolut Notwendigste zu reduzieren. Bekannt sind Leistners Deckenbilder, die ungewöhnliche Perspektiven offenbaren.

Seine freien Arbeiten, besonders das Thema „Blaue Bilder“ (siehe z. B. das Titelbild), leben durch die grafische Abstraktion. Das Konzert aus weichem Licht mit harten Kanten, getaucht in sanftes Blau, lassen die Formen schweben. Wenn die Holzmaserung einer brettgeschalten Betonwand bis in kleinste Nuancen sichtbar wird, bekommt selbst dieses Material etwas Weiches und Lebendiges. Doch Leistner beschränkt sich nicht auf Architekturdarstellungen. Auch seine Landschaftsaufnahmen sind gekennzeichnet von Reduktion, farblich wie inhaltlich.

Irgendwie scheinen auch seine Portraits diesem Grundsatz zu folgen, lassen jedoch breiten Raum für Interpretationen. Zaha M. Hadids Bildnis etwa im Feuerwehrhaus des Vitra Design Museums hat etwas Beklemmendes. Ihr Blick in Richtung eines kleinen, zellenartigen Fensters gewandt, strahlt wenig Optimismus für die Zukunft aus. Gefangene ihrer selbst?

Das bei H. M. Nelte erschienene Buch mit dem bescheidenen Titel „Leistner“ zeigt eine Retrospektive in zwölf Kapiteln, jeweils eingeleitet durch ein kurzes Essay bekannter Namen wie Falk Jäger, Dirk Meyhöfer, Wilfried Dechau oder Hilmar Hoffmann. Ein Buch, nicht nur für Architekten.

Dieter Leistner
Leistner
Herausgegeben von Josef Kern. H. M. Nelte, 2002.
ISBN: 3-932509-06-4
29 Euro
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