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2:0:0:6 Die Stadien

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Chris van Uffelen: Eine Chronik der WM-Stadien 2006

(kfl) Außergewöhnlich, imposant und beeindruckend. Zum Mega-Event des Jahres ein Mega-Buch des Jahres. Man muss nicht unbedingt ein Fan des runden Leders sein, um diesem Giganten etwas abzugewinnen.

Mit der Entscheidung vor sechs Jahren, die Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland zu vergeben, begann hierzulande ein einzigartiger Planungsmarathon. Der Neu, Aus- und Umbau von 12 Spielstätten – viele davon ursprünglich noch aus den 20er Jahren – stand an. Nun hat der Bau von Stadien im Sinne einer Wettkampfstätte zwar eine 2.500 Jahre alte Tradition, die Anforderungen an ein Fußballstadion kristallisierten sich jedoch erst in jüngster Zeit heraus. Wichtigstes Kriterium hierfür sind einerseits die zunehmende Kommerzialisierung dieses Sports und der gestiegene Komfort-Anspruch der Fans andererseits. Alle Sitzplätze müssen überdacht sein und eine möglichst geringe Distanz zum Spielfeld aufweisen. Das führte zur Abkehr von einer Multifunktionsarena mit Leichtathletikbahnen hin zu einem reinrassigen Fußballstadion, in dem die erste Reihe fast zum Greifen nah an den Rasen heranrückt.

Die Auswirkungen auf die Atmosphäre im Stadion sind vielleicht am deutlichsten in der neuen Allianz-Arena zu spüren. Dieser einzige komplette Neubau zur WM 2006 konnte Prioritäten setzen, ohne auf vorhandene Bausubstanz Rücksicht nehmen zu müssen. Alle anderen Stadien, nicht zuletzt das Olympia-Stadion in Berlin, erforderten einen mehr oder minder sensiblen Umgang mit der Geschichte. Das Aufzeigen dieser Evolution ist eine Stärke dieses Buches. Nicht nur anhand einer tabellarischen Baugeschichte sondern auch in Form von Bildern wird die Entwicklung der Stadien nachgezeichnet.

Der technische Fortschritt im Stadionbau manifestiert sich dabei besonders an der Art und Weise der Tribünenüberdachung. Waren es in den 20er Jahren lediglich einfache, wenn auch für damalige Verhältnisse ausgesprochen filigrane Betondächer, die einen kleinen Teil der Plätze überdachte (z. B. in Nürnberg), kamen mit den Jahren immer kühnere Konstruktionen zur Ausführung. Die Tragkonstruktion wurde architektonisch thematisiert (z. B. Dortmunder Westfalenstadion oder das RheinEnergie Stadion in Köln). Gänzlich verschwunden ist das Tragwerk dann im Neubau in München. Fassade und Dach werden eins und verbergen die dahinter befindliche Tragstruktur.

Die Historie nimmt in diesem Werk ohnehin eine besondere Stellung ein. Als „Buch im Buch“ erfährt der Leser zwischen der Vorstellung der WM-Stadien Wissenswertes über die Entwicklung im Stadienbau im Allgemeinen. Es beginnt im antiken Griechenland 776 v. Chr. und endet bei aktuellen Planungen für die Olympischen Spiele in Peking und London. Die zunehmende Bedeutung der Großform und damit auch der Dachkonstruktion wird an mehreren Beispielen aufgezeigt.

Das Buch ist sicherlich keine Bettlektüre. Schon allein wegen des nicht zu unterschätzenden Gewichtes von fast 3 kg und der „Spannweite“ des aufgeklappten Werkes von fast 1 Meter erfordert es eine solide Unterkonstruktion beim Lesen. Lässt man sich jedoch einmal darauf ein, wird man nicht nur von beeindruckenden Panoramaaufnahmen belohnt, sondern lernt ganz nebenbei, dass z. B. eine Disziplin der Panathenäischen Spiele ein Schönheitswettbewerbe für Männer zu Ehren der Göttin Athena war. Das macht den Spagat zur WM 2006 doch ganz leicht!

Chris van Uffelen
2:0 0:6 Die Stadien
176 Seiten, 375 farbige Abb.
Hardcover in Tragetasche
47,0 x 30,0 cm
Verlagshaus Braun
39,90 €
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