| Die seit dem entstandenen Münchner Großprojekte sind weitgehend vertreten und werden ausführlich dargestellt. Da es sich jedoch nicht um einen Architekturführer im klassischen Sinn handelt, ist es zwar schade aber entschuldbar, dass einige wichtige Gebäude gänzlich fehlen oder nur am Rande erwähnt werden, so z. B. die Herz-Jesu-Kirche von Allmann Sattler Wappner, das Haus der Architektur von Drescher und Kubina oder der Friedhof Riem von Meck Architekten.
Trotzdem trägt das Buch erheblich zum Verständnis der Münchner Stadtentwicklung bei. Besonders Leser, die sich für geschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge interessieren, werden ihren Wissensdurst befriedigen können. Warum Bayerns Ministerpräsident nicht im ursprünglich dafür vorgesehenen Prinz-Carl-Palais residiert, wie die Max-Planck-Gesellschaft ihr eigenes Haus am Altstadtring bekam oder warum in München jährlich 12 000 neue Wohnungen benötigt werden. Sorgfältig recherchierte Fakten machen verständlich, was in Architekturführern aus Platzgründen außen vor bleibt.
Der Inhalt ist in 13 Kapitel gegliedert, die manchmal räumlich („Neue Altstadt“, „Maxvorstadt“), manchmal historisch („850 Jahre München“, „Aus alt mach neu“) und manchmal typologisch („Kultur und Freizeit“, „gebaute Landschaft“) strukturiert sind. Das macht es nicht immer leicht, sich zu Recht zu finden. Das Personen- und Sachregister hilft jedoch bei der Suche. Mit über 500 Farbfotos ist das Buch reich illustriert, allerdings in recht unterschiedlicher Qualität. Neben hochwertigen Architekturaufnahmen finden sich auch zahlreiche ärgerliche Abbildungen mit wenig Aussagekraft. Das sehr „dichte“ und unruhige Layout mit wenig Weißraum ist wohl ein Ergebnis des Kostendrucks, fördert aber nicht gerade das Lesevergnügen. Englische Bildunterschriften und Zusammenfassungen steigern den Nutzen für ausländische Leser.
Insgesamt betrachtet findet der an Münchens Stadtentwicklung interessierte Leser viel Wissenswertes, so dass die Lektüre durchaus empfohlen werden kann. Der Autor ist Leiter des Arbeitskreises Kulturbauten beim Münchner Forum, einer bemerkenswerten Bürgerbewegung, die sich seit über 40 Jahren um die Münchner Stadtgestalt verdient gemacht hat. Außerdem ist er Herausgeber des Online-Magazins „Standpunkte“ des Münchner Forums.
|