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Fotografie für Architekten |
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| Architekturmuseum der TU München
(kfl) Wir schreiben das Jahr 1850. Ausgerüstet mit Kamera, mächtigen Glasnegativen, einem Tarnzelt und einem „fliegenden“ Labor begeben sich der „Lichtbildner“, seine Assistenten und Lasttiere zum Fotoshooting. Einige Stunden muss es gedauert haben, bis eine Aufnahme endlich „im Kasten“ war. Über diese ersten Anfänge der Architekturfotografie bis zu aktuellen Fotos zeitgenössischer Fotografen zeigt das Architekturmuseum der TU München derzeit einen Querschnitt durch die eigene Bildersammlung. Mehr als 200 000 Fotografien von 800 Fotografen aus den letzten 160 Jahren umfasst die stattliche Sammlung, die Winfried Nerdinger und sein Team seit 1975 gesichtet, katalogisiert und inventarisiert haben. „Unsere Sammlung gehört zum Feinsten, was es in der Architekturfotografie gibt“, sagt der frisch gekürte Preisträger des Bayerischen Architekturpreises und Bayerischen Staatspreises für Architektur nicht ohne Stolz. Die knapp 300 Fotografien, die in der aktuellen Ausstellung gezeigt werden, sind zwar nur wenig mehr als ein Promille des Bestandes, trotzdem vermitteln sie einen repräsentativen Einblick in die Entwicklung der Architekturfotografie. Das liegt nicht zuletzt an der Gliederung, die die Kuratoren Hanna Böhm und Irene Meissner vorgenommen haben. Im ersten und wahrscheinlich wertvollsten und umfangreichsten Teil der Ausstellung werden Fotografien gezeigt, die als Motiv- und Formenschatz für Architekten dienten. Großformatige Aufnahmen von Édouard Baldus, Bisson frères und anderen berühmten Fotografen begrüßen die Besucher schon am Eingang des Rundgangs. Ab 1868 wurden für die „Modellsammlung für Hochbau“ an der damaligen Polytechnischen Schule München (später TU) Fotografien angekauft mit Bauwerken nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem benachbarten europäischen Ausland, aus Ägypten und dem Nahen Osten. Sie dienten als Anschauungs- und Lehrmaterial. Waren bedeutende Bauwerke bis dahin nur über Stiche und Zeichnungen bekannt, nutzte man mit der Erfindung der Fotografie die Möglichkeit, die Weltarchitektur mittels realer Abbilder zu illustrieren. |
Bisson frère |
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| Wie mühsam das Erstellen eines einzigen Fotos war, wird deutlich, wenn man sich die damals eingesetzte Technik vor Augen führt. Eine Plattenkamera musste wegen ihrer Größe von mehreren Menschen getragen werden. Fotografiert wurde nämlich auf Glasplatten, die bis zu 60 x 80 cm groß sein konnten. Vor Ort beschichtete man die Glasplatten mit einer Lösung aus Nitrozellulose (Kollodium) und machte sie durch eine Silbernitratlösung lichtempfindlich. Diese Arbeit erfolgte unterwegs in einem lichtdichten Zelt. Im noch feuchten Zustand wurden die Glasplatten in die Kamera eingelegt und belichtet. Danach mussten sie im „Entwicklungszelt“ sofort fixiert und gewässert werden. Später konnten von einem Kollodium-Glasnegativ beliebig viele Abzüge erstellt werden, indem man Papier, das mit Eiweiß (Albumen) beschichtet war, quasi als Kontaktabzug direkt auf die Glasplatten legte. Für die Belichtung des „Albuminpapiers“ sorgte das Sonnenlicht. Die Schärfe dieser Aufnahmen ist noch heute beeindruckend.
Anfang des 20. Jh. wurden die unterschiedlichen Bestände und Lehrmaterialien der TU München in einer „Architektursammlung“ vereinigt und von Friedrich von Thiersch anschaulich präsentiert. Winfried Nerdinger: „Ausdrückliches Ziel war es, die Bestände so zu erschließen, dass sie für Studenten und Dozenten gut nutzbar sein sollten“. Zur selben Zeit verwendeten Architekten Fotografien bereits in ihren Ateliers als Hilfsmittel beim Entwerfen. Es war auch hier Friedrich von Thiersch der seinen Entwurf für das neue Kurhaus in Wiesbaden in eine Fotografie hinein ritzte, um die Bevölkerung von seinen Plänen zu überzeugen. Was heute gang und gäbe ist, war vor hundert Jahren allerdings mit sehr viel Mühe und einem hohen Aufwand verbunden. |
Albert Renger-Patzsch |
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| Schon damals wurden Fotos auch zur Baustellendokumentation verwendet, womit wir bei der dritten Phase der Ausstellung angelangt sind. Ob große Kirchenbauten, Schloss Neuschwanstein oder die Entstehung des Flughafens München-Riem: Das Architekturmuseum besitzt eine Vielzahl von Fotos mit hohem Dokumentationswert. Dazu gehören auch die Bilder von Bernd und Hilla Becher, die von den unterschiedlichsten Bautypen Fotos im Sinne von Aufmaßzeichnungen anfertigten.
In den Anfängen der Fotografie standen (trotz des enormen Aufwandes zur Erstellung eines Bildes) ausschließlich die Bauten im Vordergrund. Die Namen der Fotografen waren oft nicht zu ermitteln. Das änderte sich schlagartig, als Architekten erkannten, wie wichtig eine Fotografie für das Verständnis ihrer Architektur ist. Die Moderne Architektur der 1920er Jahre verdankt ihren Bekanntheitsgrad sicher auch der medialen Inszenierung. Nicht zuletzt Julius Shulman ist ein Beispiel für die gegenseitige Befruchtung von Architekt und Fotograf. Bauten von Richard Neutra oder Pierre Koenig sind erst durch die bis ins letzte Detail gestylten Aufnahmen von Shulman bekannt geworden. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die mediale Inszenierung von Architektur durch Fotos, Film und Animationen ist im Zeitalter der Globalisierung einmal mehr ein unerlässlicher Teil der Architekturvermittlung und -vermarktung. Das emotionale Rezipieren von Bauwerken wird schon deshalb immer wichtiger, weil Bilder viel schneller aufgenommen werden können als Texte. Die Bedeutung der Architekturfotografie für Architekten hat schon Günter Behnisch erkannt als er postulierte: „Ein guter Architekt muss dafür sorgen, dass er einen guten Fotografen hat, sonst wissen die Leute nicht, was er tut.“ Fotografie für Architekten.Die Fotosammlung des Architekturmuseums der TU München | Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Barerstraße 40, 80333 München | www.architekturmuseum.de | bis 19. Juni | Katalog (D/E) mit nahezu allen Fotos der Ausstellung und erläuternden Texten 35 €. |
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