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Hochhausfassade
Medientage München

Video ist der Megatrend im
Online-Bereich

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(kfl, 22.02.2010) „Liest du noch oder guckst du schon?“ Glaubt man den Propheten der Medientreibenden, wird das Bewegtbild die Zukunft im Internet bestimmen. Die zunehmende Bandbreite der Internetanschlüsse erlaubt es immer mehr Usern, neben reinen Texten und Bildern auch Audio und Videos zu konsumieren. Auf einer Tagung im Rahmen der Medientage München mit dem bezeichnenden Titel „Bewegte Bilder – bewegte Zeiten“ haben führende Medienvertreter an anschaulichen Beispielen dargestellt, wohin die Reise geht.

Vorreiter in Sachen Bewegtbild ist die Plattform YouTube, die gerade ihren fünften Geburtstag feiert. Andreas Briese, Strategic Partnership Development Manager für YouTube in Deutschland belegte anhand beeindruckender Zahlen die Erfolgsgeschichte des Unternehmens: „Alleine in Deutschland werden sechs Milliarden Videos pro Monat abgerufen und in jeder Minute laden unsere Nutzer 20 Stunden Videomaterial hoch.“ Das sind mehr als 10 Millionen Stunden Video im Jahr! „Video ist der Megatrend im Online-Bereich“ meint auch Peter Christmann von snack TV (www.snacktv.de). Kurze Videobeiträge von etwa drei bis fünf Minuten Länge aus professionellen Quellen sind der Hauptcontent. Die Zugriffe auf das innovative Portal haben sich innerhalb des vergangenen Jahres verdreifacht. Der Vorteil ist die jederzeitige Verfügbarkeit und die Kürze der Beiträge. Im Gegensatz zu YouTube oder anderen Videoportalen mit überwiegend user-generated-content setzt snack tv auf bekannte TV-Standards.

Bewegte Bilder – bewegte Zeiten. Ein Symposium im Rahmen der Medientage zeigt, wohin der Onlinemarkt steuert
Tageszeitungen tun sich noch schwer mit mixed-media-content Das unterscheidet das Angebot auch von den meisten online-Auftritten deutscher Tageszeitungen. Zwar hat man auch hier den Trend nach Bewegtbildern erkannt, speist den Fundus im lokalen Bereich jedoch in der Regel mit mehr schlecht als recht produzierten Amateur-Videos. Für Rüdiger Oppers, Chefredakteur der NRZ und Beauftragter für Bewegtbild bei der WAZ-Mediengruppe müssen Print und Web sich gegenseitig ergänzen. Einer Untersuchung zufolge haben nur noch 50 Prozent aller Online-User eine Tageszeitung abonniert. Daher müsse der Verlust an Reichweite durch zusätzlichen Online-Inhalt aufgefangen werden, so Oppers. Wie das finanziert werden soll, weiß auch der Chefredakteur nicht. Zurzeit funktioniert das noch über ein werbefinanziertes Angebot. „Prerolls“, also vorgeschaltete Werbeclips bei Videos halten die Portale leidlich über Wasser. YouTube schreibt dem Vernehmen nach immer noch rote Zahlen. Auch hier denkt man bereits an „midrolls“ und „postrolls“, wie man sie von privaten TV-Sendern kennt. Ist interaktive Werbung in Form von „Requisiten-Sponsoring“ oder „Product-Placement“ die Lösung? Der Zuschauer klickt dabei auf einen Gegenstand, den er gerade in einem Film sieht und kann diesen mit wenigen Klicks käuflich erwerben.
 
Nur wirklicher Nutzen kann monetarisiert werden Wie viel Werbung kann dem Zuschauer zugemutet werden? „Der Kunde ist nur bis zu einem gewissen Maße bereit, sich abzocken zu lassen“ warnt Wolfgang Elsäßer von Astra Deutschland. In welche Richtung der Wunsch des Users nach kostenlosem content einerseits und der Notwendigkeit der Refinanzierung durch Werbung andererseits gehen wird, ist sicher auch eine Frage der Qualität. Ein hoher Nutzen wird naturgemäß eher monetarisiert werden als geringwertige Inhalte. Abgesehen von der Finanzierbarkeit hochwertiger Inhalte stellt sich bei einem ständig steigenden multimedialen Angebot die Frage, wer all diese Inhalte wann eigentlich sehen soll? Ein Konsolidierungsprozess ist jedenfalls derzeit noch nicht in Sicht.
 
MEINUNG - MEINUNG - MEINUNG - MEINUNG
Die Zeitung muss tradierte Vorstellungen überwinden Die Fülle an Medienangeboten führt schon heute dazu, dass wir uns einem Markt gegenüber sehen, der wenig transparent ist. Niemand kann alle Websites kennen, die ihn möglicherweise interessieren. Leichter haben es bereits existierende Anbieter, die es schaffen, einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Hier könnten zum Beispiel die Tageszeitungen punkten. Selbst für regionale TV-Programme rechnet sich eine Videoberichterstattung aus der ländlichen Region nur bei Themen mit überregionalem Interesse. Die Lokalpresse ist und bleibt die Domäne regionaler Lokalausgaben der Tageszeitungen. Eine ideale Spielwiese, um mit der professionellen Verknüpfung von Texten, Bildern, Video und Audio einen inhaltlichen Mehrwert im Sinne eines viel gepriesenen mixed-media-contents zu generieren. Bürgerportale und user-generated content können das nicht bieten. Für die Lokalredaktion ist es Neuland, das die meisten nicht zu betreten wagen. Zu fest sitzen die tradierten Kommunikationsformen. Wollen Zeitungen nicht noch mehr an Reichweite einbüßen, werden sie sich wohl oder übel bewegen müssen.
 
local news counts Die bisherigen Versuche in diese Richtung sind eher dürftig. Weder die inhaltliche noch die technische Qualität der meisten Amateurvideos entsprechen dem Niveau, welches die Redaktion für den Textteil der Zeitung gewahrt haben möchte. Andererseits ist das grundsätzliche Interesse an ergänzenden Medien vorhanden. Das zeigen die Klickraten, die bei Videos über lokale Ereignisse weit höher sind als bei überregionalen Themen. Eine Leserbindung (und Werbefinanzierung) wird hier aber langfristig nur erfolgreich sein, wenn die Ansprüche der Leser erfüllt werden.
 
Wie sieht die Zeitung der Zukunft aus? Und wie sieht die Zeitung der Zukunft aus? Das bedruckte Stück Holz, welches am nächsten Tag ins Altpapier wandert, hat über kurz oder lang ausgedient. Das senkt nicht nur die Kosten (Papier, Druckkosten und Distribution entfallen), es schont auch die Umwelt. Vielleicht schon in zehn Jahren werden wir unsere Informationen über einen transportablen Bildschirm beziehen (der iPad deutet heute lediglich an, was möglich ist) und können selber auf den präsentierten Inhalt Einfluss nehmen. Wir abonnieren Themen aus unterschiedlichen Quellen. Die Weltpolitik aus der „Süddeutschen“, das Feuilleton vielleicht aus der FAZ und den Lokalteil von der heimischen Lokalredaktion. Alles journalistisch professionell aufbereitet versteht sich. Texte werden ergänzt durch Bilder, Videobeiträge und Audio. Je nach Interessenlage kann sich der Leser also über unterschiedliche Medien mehr oder weniger intensiv mit einem Thema auseinandersetzen. Die Kosten dafür werden geringer sein als das Abo einer Zeitung, da die Produktion rein elektronisch erfolgt.

Zukunftsmusik? Sicher – aber nicht mehr lange.
KLAUS F. LINSCHEID

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