Barthels Hof ist der letzte erhaltene typische Durchgangshof in Leipzig aus der Zeit der Warenmesse. Diese Durchgangshöfe entstanden mit der Intention, dass Pferdekutschen auf der einen Seite in den Hof ein- und zur anderen Seite - ohne Wenden zu müssen - wieder ausfahren konnten.
Einst gab es mehr als 40 dieser Durchgangshöfe. Im Dachgeschoss befanden sich Lagerräume, darunter Wohnungen und Büros. Im Erdgeschoss waren Verkaufsräume und Ställe untergebracht.
Die Hofseite des Eingangsgebäudes ziert heute ein prächtiger Erker, der später bei Renovierungsarbeiten vom so genannten „Haus der Schlange“ dorthin versetzt wurde.
Begleiten Sie uns auf der DVD durch die zahlreichen Messehäuser und Passagen. Was im Jahre 1165 durch die Verleihung des Stadt- und Marktrechts begann, setzte sich im 15. und 16. Jahrhundert fort, als Kaiser Maximilian I. Leipzig weitreichende Messeprivilegien verlieh.
Das Städtische Kaufhaus gilt als Pilotprojekt der neuen Mustermesse in Leipzig. 1895 startete die Stadt Leipzig den Versuch dieser neuen Messeform. Damit mussten Waren nicht tatsächlich alle zum Verkauf herbeigeschafft werden, sondern lediglich die sog. „Muster“. Von hier nahm die Mustermesse in Europa ihren Anfang. Wie kaum ein anderes Kulturdenkmal repräsentiert dieses Gebäude durch zahlreiche Umbauten mehr als 500 Jahre Leipziger Handelsgeschichte. 1894 wird der erste Bauabschnitt vollendet.
Bereits zu jener Zeit wurde der sog. „Zwangsrundgang“ eingeführt. Die Messebesucher mussten einem vorgegebenen Ausstellungsrundgang folgen und das Gebäude auf allen Ebenen durchqueren.
Von herausragender architekturgeschichtlicher Bedeutung ist die Mädlerpassage, erbaut in den Jahren 1912 bis 1914. Der Lederwarenfabrikant Anton Mädler ließ sie an Stelle von Auerbachs Hof, einem einst bedeutenden Durchgangshof, errichten. Zwei Gänge werden in einer achteckigen Rotunde zusammengeführt, in der sich heute das traditionelle Glockenspiel befindet.
Am Eingang zur Grimmaischen Straße liegt Auerbachs Keller, der durch den Fassritt des Dr. Faustus weltberühmt wurde und in Goethes Faust der einzige real existierende Ort ist.
Specks Hof ist die älteste noch erhaltene Passage in Leipzig. Sie wurde in drei Bauabschnitten von 1909 bis 1929 von Emil Franz Hänsel erbaut. Das Messehaus überzeugt durch seine klare zeitgemäße Gliederung und eine Reihe bemerkenswerter Details. Die Figuren über dem Erdgeschoss symbolisieren Themen der griechischen Götterwelt.Im Zuge der grundlegenden Sanierung Anfang der 90er Jahre konnten die drei Lichthöfe bildkünstlerisch farbenfroh ausgestaltet werden.
Sie haben Lust auf mehr? Dann begleiten Sie uns auf der DVD durch Specks Hof und das Hansa Haus und lassen Sie sich von der Schönheit der Passagen und ihren raffinierten Details begeistern.
Hansa Haus
Grimmaische Straße 13-15 04109 Leipzig 1904 - 1906 A.: Polster und Höhn Sanierung 1993 - 1997 durch die Architekten Rhode, Kellermann, Wawrowsky und Partner
Der imposante Innenhof des an Specks Hof angrenzenden Hansahauses ist bautypologisch einmalig. Das filigrane Glasdach und der weißgrün geflieste Hof wurden bei den Sanierungsarbeiten Mitte der 1990er Jahre detailgetreu wieder hergestellt. Das Oberlicht zeugt damit noch heute von den innovativ-konstruktiven Möglichkeiten des Stahlbaus um die Jahrhundertwende. Die plastischen Sandsteinarbeiten über den Hoftüren zeigen Merkurköpfe und erinnern an die einstige Funktion als Messepalast.
Riquethaus
Schuhmachergäßchen 1/3 04109 Leipzig 1908 - 1909 A.: Paul Lange
Sanierung 1994/95 durch Knut Bienhaus
Eine Sonderstellung unter den Geschäftshäusern nimmt das Riquethaus ein. Die Tradition des Messehauses Riquet & Co. reicht bis ins Jahr 1745 zurück. Eine Spezialität des Hauses waren die berühmten Teesorten. Daneben importierte man Waren aus Japan, China und dem Orient. Die Fassadengestaltung versinnbildlicht diesen Handel mit orientalischen Waren. Elefantenköpfe an der Eingangstür stellen das Markenzeichen der Firma dar.
Neben den historischen Passagen wird die Tradition dieses Bautypus in Leipzig erfreulicherweise heute noch fortgeführt. Der Petersbogen ist nur ein Beispiel hierfür aus jüngster Zeit. In einem seichten Bogen schwingt sich die Passage von der Petersstraße zur Schlossgasse.
Promenaden im Hauptbahnhof
Willy-Brandt-Platz
04109 Leipzig 1902 - 1915 A.: William Lossow, Max Hans Kühne, Dresden
Sanierung 1995 - 1997 durch HPP, Düsseldorf
Die „Promenaden“ des Leipziger Hauptbahnhofs sind zwar keine typische Passage, eine Erfolgsgeschichte in der Weiterführung dieses Konzeptes aber allemal. Beinahe ist man geneigt, von einer Einkaufsmeile mit Gleisanschluss zu sprechen. Der 1915 fertig gestellte Bahnhof zählt zu den größten Personenbahnhöfen weltweit und ist nach seiner Renovierung Mitte der 1990er Jahre durch die Düsseldorfer Architekten Hentrich Petschnigg und Partner ein Publikumsmagnet. Stahlbinder mit bis zu 45 Metern Spannweite überragen die Bahnsteige. Diese Konstruktion soll auch Ideen-Lieferant für die Glashalle der Neuen Messe gewesen sein.
Bemerkenswert ist noch heute die Großzügigkeit und Übersichtlichkeit der Anlage. Ihnen verdankt der Bahnhof seine ursprünglichen Zweiteilung in einen sächsischen und einen preußischen Teil. Entsprechend wurden alle Anlagen doppelt ausgeführt. Sogar zwei Eingangshallen waren vorhanden. Die beiden prächtig gestalteten Wartesäle wurden bei der Renovierung wieder hergestellt. Einer davon beherbergt heute eine exquisite Boutique.
Werfen Sie auf unserer DVD einen Blick in diese großartige Architektur, die einen Vergleich mit zeitgenössischen Bahnhöfen nicht zu scheuen braucht.
› Diese Seitenzahlen verweisen auf das jeweilige Objekt im Buch „LEIPZIG Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart“